Nadine Jacobi

Liebe Compliance Officer:
Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?

Willkommen zum Teil 8 meines Blogs. Die heutige Überschrift ist gewagt, das gebe ich gerne zu. Manchmal müssen Compliance Officer aber auch überspitzte Formulierungen wählen, um gehört zu werden. Kommunikation ist wichtig, Sie erinnern sich?

Auch wenn die Hollywood-Komödie, die ich für die Überschrift gewählt habe, schon 40 Jahre alt ist – sie trifft die Gemütslage von Compliance Officern in bestimmten Situationen schon sehr gut. Dieser Gedanke sollte Sie aber nur eine Zehntelsekunde beschäftigen, wenn Sie einen der folgenden Sätze im Büroalltag hören:

Vom Vertriebskollegen:

    • Ich möchte den Agenten XY in Pakistan einsetzen, er verlangt 17% Provision. Compliance soll einfach einen Weg finden, wie wir dahin kommen. Wie, ist mir egal.
    • Die anderen tun es doch auch … oder … die sind viel schlimmer. (Gerne angeführt wird dabei Frankreich, das sich nach Aussagen von vielen Vertriebsmitarbeitern im Zustand der Anarchie zu befinden scheint)
    • Wenn wir diese Vorgaben umsetzen, bekommen wir keine Aufträge mehr und verdienen kein Geld. Geld, von dem auch Ihr Gehalt als Compliance Officer bezahlt wird. Wir wollen doch alle unseren Job behalten, oder?
    • Wegen dieser einen Zuwendung wird doch kein Staatsanwalt ermitteln…
    • Ich habe keine Zeit für Compliance-Schulungen. Ich verdiene Geld für das Unternehmen, wenn ich beim Kunden vor Ort bin.

Vom Geschäftsführer:

    • Können Sie das Compliance-Statement nicht so formulieren, dass ich als GF noch Spielraum für eine Entscheidung zum Abschluss des Geschäfts habe?
    • Wenn wir unseren Distributoren nicht mehr vorgeben können, zu welchen Preisen sie verkaufen, bieten sie unser Produkt zu Dumping-Preisen an. Dann bekommen wir den Preis nie wieder hoch und wir können den Bereich zumachen. Wollen Sie das?
    • Können Sie sich nicht einmal etwas geschmeidiger zeigen?
    • Zum Thema Monitoring: Wir wollen keine Kultur des Misstrauens!

Vom Betriebsrat:

    • Es geht darum, die Rechte der Mitarbeiter zu schützen. Interne Untersuchungen richten sich gegen unsere Mitarbeiter. Dies können wir nicht zulassen.
    • Verständnis-Tests am Ende von E-Learnings gehen in den Bereich der Leistungskontrolle. Wir stimmen dem E-Learning-Konzept daher nicht zu.

Sie sehen, es sind nicht nur die Chefs, die unser Kommunikationsgeschick fordern.

Welche „Lieblings-Sätze“ sind Ihnen zum Thema Compliance begegnet?

Oder welche ärgern Sie am meisten?

Schicken Sie mir Ihre persönlich erlebten Stilblüten zu oder posten Sie sie selbst auf meiner Seite!

Kommende Woche wird es darum gehen, wie Compliance Officer schon im Vorfeld daran arbeiten können, solche Gesprächssituationen zu vermeiden.

Bleiben Sie bis dahin gesund und compliant!